
Was ist Gracie Jiu-Jitsu
von Franco Vacirca / Fotos GJJ Zuerich
Jiu-Jitsu = Judo = Brazilian Jiu-Jitsu?!
Mitsuyo Maeda, wie auch andere Jiu-Jitsu Experten – wie beispielsweise Yokoyama
Sakujiro und Saigo Shiro – kamen schon als wahre Jiu-Jitsu Sportler zum Judo,
als sie in der Hauptstadt Tokio studieren wollten. In vielen Internetforen sind
verschiedene Diskussionen entstanden. Fakt ist: Bevor es Judo gab, gab es schon
Jiu-Jitsu und viele der damaligen „älteren“ Jiu-Jitsu Experten schliessen sich
an Kanos Institut an, um auch weiterhin vom japanischem Staat nicht vergessen zu
werden. Es ging ums überleben und um die Aufrechterhaltung dieser Künste.
Maeda reiste wie damals viele japanischen Jiu-Jitsu/Judo Experten nach Europa
und Südamerika. Er bereiste Europa um etwa 1905 wo er in England und Spanien
gelebt haben soll. In Spanien bekam er auch den Nickname Conde Koma, weil er
seine Gegner in den Geldpreiskämpfe durch einen Tiefenschienbeintritt und einem
Ellbogenstoss zu Boden brachte.
Um 1908 soll er erstmals nach Brasilien (in Belem do Parra) gereist sein, wobei
er sich erst dann 1915 mit seiner ersten englischen Frau Mary (eine Tochter
eines britischen Grosshändlers) definitiv in Brasilien niederliess. In seiner
neuen Heimat gründete er als Chef der dortigen japanischen Arbeiterkolonie sein
neues Haus und im Hinterhof ein kleines Dojo. Er begann nicht nur japanische
Schüler sondern auch Brasilianer ins Training aufzunehmen, was damals nicht
gerade sehr angesehen war, doch sein Ziel war es den Jugendlichen eine Art
kultureller Austausch zu ermöglichen.
Er nannte das Training Jiu-Jitsu und nicht Judo, denn in Japan hatte man in aus
dem Kodokan ausgeschlossen gehabt, nachdem er in Europa verschiedene
Geldpreiskämpfe ohne deren Erlaubnis angenommen hatte. Doch Maeda war jedoch
dadurch finanziell ins schleudern gekommen und löste sich deshalb von Japan in
diesem Sinne. In Brasilien hingegen hatte er nicht nur immer mehr Anhängern
(auch von anderen Nationen, wie Einwanderer aus anderen Teilen Südamerikas,
Venezuela, Cuba, usw. sondern auch Franzosen und Italiener. Maeda wurde dadurch
zur einer der wichtigsten Figuren im Staat Parra.
Gracie Jiu-Jitsu die neue Ära
Zwei der bekanntesten Schüler Maedas waren Luiz França und der junge Carlos
Gracie. França war schon länger dabei und galt oft auch als Vertreter des
Meisters während dessen Abwesenheit. Gracie hingegen, war ein junger und
begeisterter Jiu-Jitsuka der trotz seiner kleinen Körpergrösse viel Herz und Mut
zeigte. Nach nur wenige Jahre unterricht musste Carlos Gracie nach Rio de
Janeiro gehen und so befand er sich alleine in der Grossstadt ohne richtige
Tätigkeit.
So entschloss er sich kurzerhand eine Jiu-Jitsu Schule zu gründen, und schon
bald kamen auch seine jüngere Brüder Gastão, George und Jorge nach. Später im
Alter von 16 Jahren kam auch der jüngsten von ihnen nach: Hélio Gracie, der
später auch zum wichtigsten Gracie Experte wurde.
Hélio Gracie wurde später um 1920 herum zur wichtigsten Figur in der Gracie
Akademie. Er war nicht nur der Chefinstruktor sondern auch der Entwickler von
vielen neuen Techniken und Positionen, sowie der Initiator von einer Reihe von
Kampfherausforderungen um das Gracie System in allen Fassetten zu bestärken.
Sein älterer Bruder Carlos wurde zu seinem Manager, den Hélio hatte eine grosse
Kampagne im ganzen Land lanciert. Er kämpfte gegen unzählige Freistilringer,
Boxer, Judokas usw. und kaum einer konnte in besiegen. Eines Tages kam auch der
damalige Judomeister Kimura nach Rio um den 30Kg leichteren und fast 25 Jahren
älteren Gracie anzutreten. Kimura sagte aus, sollte der Gracie ganze drei
Minuten bestehen, so würde er den Kampf als besiegt anerkennen. Kimura gewannen,
doch erst nach viel länger als er dachte und so übergab er den Sieg.
Eine neue Generation
Der älteste Sohn von Hélio, Rorion Gracie, reiste nach seinem Studium in die USA
– wo er zuerst im kalten und nassen New York lebte sich aber dann später ins
sonnige Los Angeles niederliess. Anfangs wollte Rorion in einer Schule
beitreten, doch er erkannte, dass sein Gracie System die anderen Stile in den
Schatten legten. So entschloss er sich in einer kleinen Garage einige seiner
Freunde und Bekannten zu trainieren. Schon bald wuchs das Interesse und er
gründete seine eigene Gracie Akademie.
Zusammen mit einem Freund arbeiteten Rorion Gracie im Jahre 1994 an der Idee,
ein TV Spektakel auf die Beine zu stellen – welches später dann weltweit als UFC
bzw. Ultimate Fighting Championship bekannt wurde. Im UFC wurde das Gracie
Jiu-Jitsu von seinem jüngeren Bruder Royce Gracie vertreten. In einer Kampfnacht
begegnete der GJJ Mann verschiedene Kampfsportler in einem Turniermodus und
wurde als absoluter Sieger des Abends erkoren.
Dadurch brach eine neue Welle in den USA und fast parallel auch in Europa. Es
war der Anfang einer neuen Renaissance für das Jiu-Jitsu und allen anderen „Grappling“
Arten, wie beispielsweise das Ringen und das Judo. Nicht durch Schlagtechniken,
sondern durch Hebel- und Würgetechniken besiegte der leichte und körperlich
schwächere aussehende Brasilianer seine grösseren und muskulösen Gegner. Das
Gracie Jiu-Jitsu hatte die gesamte Kampfkunstwelt erschüttert.
Unbestreitbar wurde somit das Gracie oder eben auch Brazilian Jiu- Jitsu zum
absoluten effektivsten System bzw. Stil befunden. Heute wird das GJJ (oder eben
BJJ) von zahlreichen Spezialeinheiten, Polizeibeamten und vom Militär geübt.
Dadurch wurde das Gracie/Brazilian Jiu-Jitsu auch bekannter. Ob Mann, Frau oder
Kinder – ob als Kampfkunst, Kampfsport oder reine Selbstverteidigung – alle
profitieren gleichermassen vom Gracie Jiu-Jitsu.